Sexy Unterwasche

Sexy Unterwasche

Es ist eigentlich in unserem Gehirn eingebacken: Sex und Erotik lassen sich gut verkaufen. Aber trifft das auch auf den Verkauf von sexy Unterwäsche zu? Mir kommt dieses Thema in den Gedanken, als ich gerade an einer Marketingkampagne für eine neue Herren-Boxershorts-Linie arbeite. Stimmt es wirklich, dass erotische Bilder den Verkauf von Boxershorts steigern können?

In einem Artikel von Ira Kalb, Professor für Marketing an der Marshall School of Business, werden eine ganze Menge Gründe aufgezählt, die diese These untermauern. Sie erklärt unter anderem, warum die Leute der Meinung sind, dass sich Sex und Erotik besser verkaufen lassen. Man kommt zu dem Schluss, dass an diesem Klischee etwas Wahres dran ist. Zum Beispiel in der Werbung: Immer häufiger werden hier Erotik-Elemente eingebracht. Mit erotischen Bildern erregt man Aufmerksamkeit.
 
Ira Kalb ist aber auch der Meinung, dass Sex nicht überall gut ankommt und sich auch negativ auswirken kann. Entscheidend für die Meinung sind zum Beispiel Alter, Geschlecht und auch kulturelle Hintergründe. Eine Studie der Uni von Wisconsin kommt sogar zu dem Schluss, dass dieser Schuss auch nach hinten losgehen könnte und erotische Werbung negative Auswirkungen haben kann. Der Einsatz von Erotik bei nicht erotischen Produkten hat einen negativen Effekt, der sich auch auf den Umsatz auswirkt. Zum selben Ergebnis kommt auch David Ogivy in seinem Buch „Ogilvy on Advertising“. Demnach wirkt sich Sex und Erotik nur positiv auf den Verkauf aus, wenn das Thema auch relevant ist.
 
Sexy Unterwäsche. Produktkategorien, in denen Sex und Erotik erfolgreich eingesetzt werden sind zum Beispiel Körperpflege, Reisen, Unterhaltung, Tabak und Kleidung. Das geht aus einem Artikel von Simpson, Horton & Brown aus dem Jahre 1996 hervor. Demnach ist Sex und Erotik weniger erfolgreich in der Werbung, wenn es um die Bereiche Hausrat, Finanzdienstleistungen und Elektronik geht.  Diesen Aspekten ging „LaTour“ 1990 in einer Studie nach. Zum Einsatz kamen nackte, weibliche Modelle. Frauen fühlten sich beim Anblick angespannt. Männer fühlten sich dagegen erregt und aufgeregt. Richins liefert dafür folgende Erklärung: Bei Frauen spielt der intersexuelle Wettbewerb eine Rolle. Auch der Vergleich zwischen sich und dem Modell und eine somit entstehende Konkurrenz wirken sich aus.
 
Die Literaturstudie von Jolien Galland zeigt, dass Männer eher positiv auf die Erotisierung, durch den Einsatz von schönen Models in der Werbung, reagieren. Dagegen kann ein attraktiver, muskulöser Mann, zum Beispiel mit breiten Schultern und schmaler Taille, bei Frauen keine positive Einstellung auslösen.
 
Das „Journal of Advertising“ gab eine Untersuchung in Auftrag, die sich mit dem Verhalten junger Menschen in der Werbung auseinandersetze. Die Studie zeigte, dass die meisten jungen Konsumenten kein Problem mit erotischen Anzeigen haben. Allerdings gibt es feine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen finden, dass es auf das Produkt ankommt. Männer sind hier weniger wählerisch und erleben den ganzen Effekt positiv.
 
Der belgische Forscher Marjolein Hardeman hat hierfür eine Erklärung. Männer reagieren positiver auf erotische Anzeigen als Frauen, weil sie eine völlig andere Einstellung zur Sexualität haben. Das kann man sogar wissenschaftlich belegen, denn Männer und Frauen haben eine ganz unterschiedliche Hirnstruktur, die schon im Mutterleib entsteht. Bei Männern wird demnach ein höherer Testosteronspiegel gemessen als bei Frauen. Dieser Aspekt ist von großer Bedeutung bei der Sensibilisierung der männlichen sexuellen Reize.
 
Zwei Forscher der niederländischen Universität von Tilburg "experimentiert" mit dem Grad der Attraktivität der Modelle. Demnach hängt der erotische Verkaufserfolg stark von Einsatz der Modells abhängt. Da wo eine normale Person wenig Wirkung erzeugt, tritt ein schönes Modell in Verbindung mit dem Produkt positiv in Erscheinung. Ein glaubwürdiges Foto-Shooting mit einem Mode-Modell kann im Bereich Pflege einen positiven Effekt haben.

Nach Biel & Bridgewater (1990) ist es nicht nur Sympathie, Energie, Spannung und Begeisterung, sondern vielmehr eine Wärme, die von solchen Anzeigen ausgeht. Wärme ist das positive Gefühl, dass die Werbung vermittelt. Zwar scheint auch Sex eine Rolle zu spielen, aber dieser wird in seiner ursprünglichen und glaubwürdigen Art eingesetzt.
 
Zeitschriften wie FHM und Maxim haben oft bei ihren Covern experimentiert und kamen zu überzeugenden Ergebnissen. Selbst, wenn der Leser den Artikel gar nicht lesen will, kommt eine sexy, halbnackte Frau besser an, als ein männlicher Popkünstler.

 
Aus einem kürzlich erschienen Artikel von Aditya Khosla Ph.D. der University of Massachusetts geht hervor, dass die Verwendung heller Farben und bestimmter Objekte die Beliebtheit von Fotos auf Flickr.com stark steigern können. Deutlich mehr Likes erhalten demnach Fotos mit den Motiven Mini-Röcke, Unterwäsche, Boxershorts, Strumpfhosen, Bikinis (Cups) und BHs. Aditya hat sogar selber ein System entwickelt, um die Vorhersagbarkeit der Popularität eines Fotos zu berechnen.
 
Die verschiedenen Studien haben 4 do’s & don’ts geliefert:

1. Schaffen Sie einen glaubwürdigen Zusammenhang zwischen der Botschaft und den erotischen Shorts oder Dessous. Es muss ein positives Lebensbild geschaffen sein, das eine klare Beziehung zum Einsatz der Boxershorts und Dessous schafft.
2. Achten Sie auf die Zielgruppe. Im Allgemeinen haben (junge) Männer keine Skrupel im Umgang mit Erotik in der Werbung. Frauen können Sex aber unangenehm erleben. Darüber hinaus kann eine Kampagne für junge Damen, wie zum Beispiel "I Love Boobies" bei älteren Frauen, die Brustkrebs haben (hatten) völlig falsch verstanden werden.
3. Der Einsatz von Erotik darf nicht als flacher Porno enden! Damit schadet man langfristig das Markenimage. Dies ist auch weniger förderlich in den sozialen Medien.
4. Wissen ist Macht! Durch das Experimentieren mit Sex und Erotik in der Werbung und die Überwachung der Ergebnisse, werden wertvolle Erfahrungen gemacht. Es ist keine exakte Wissenschaft und Sie werden Lehrgeld bezahlen müssen.
 
Zusammenfassend: Die Verwendung von Sex in einer Werbekampagne für sexy Unterwäsche kann einfach sehr gut sein.
 

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